Frher, als alles noch besser war und man selbst noch klein, da gabs nichts aufregenderes als mit den geklauten Streichhlzern vom Vater irgendwo in einer Ecke mit ein paar Freunden zu zndeln. Bld nur, wenn man dabei erwischt wurde. Das gab nicht nur einen Satz heie Ohren, sondern auch ewig langen Stubenarrest. Heutzutage sitzt der gemeine Leser dieses Texts sowieso 24 Stunden vorm Rechner und heie Ohren gibts hchstens, wenn man 3 groe X in den Browser eingibt. Warum dann nicht einfach ein wenig zndeln? Fr den geneigten 3ds max – Nutzer ergibt sich seit einiger Zeit die Mglichkeit, diesem Wunsch ohne ernsthafte Folgeschden nachzukommen. Alles, was man dafr braucht, ist das Plugin FumeFX von Sitni Sati.
Die kroatischen Entwickler kennt man sicher von Plugins wie Afterburn oder Dreamscape. Mit FumeFX jedoch begibt man sich auf die Fhrte der Fluid-Simulationen. Ja, Simulationen klingt aufregend, neu und spannend. Ist es auch, aber es ist vielmehr noch wesentlich zeitintensiver, als man sich das ganze vorgestellt hat. Simulation heisst hier: harte Arbeit fr den Rechner und grundlegendes Verstndnis von der Materie.
FumeFX erstellt Feuer- und Raucheffekte nicht mittels der normalen 3ds max – Partikelsysteme, welche einfach mit einem gewissen Volumen versehen und gerendert werden, sondern basiert seine Berechnungen auf Brennstoffquellen und physikalischen Gegebenheiten der Umgebung. Das heisst nicht anderes, als da man einen Bereich festlegt, in welchem die Simulation stattfinden soll, anschliessend eine oder mehrere Brennstoffquellen platziert, einige Grundeinstellungen wie Gravitation oder Hitzeentwicklung vorgibt und dann seinen Kaffee trinken geht. Oder auch zwei oder drei. Die Berechnungen sind bestenfalls langsam zu nennen, der Speicherverbrauch wohlwollend als enorm zu bezeichnen. Die Ergebnisse sind allerdings jede Sekunde und jedes Megabyte wert.
FumeFX bietet verschiedene Arten von Brennstoffquellen. Man kann eine einfache Quelle in Quader-, Zylinder- oder Kugelform einsetzen, Objekte als Quelle benutzen oder auch Feuer durch Partikelsysteme erzeugen. Hierbei hat man nicht nur die Wahl zwischen den einfachen Systemen wie Spray oder Blizzard, auch ParticleFlow und das Cebas-Pendant ThinkingParticles stehen zur Verfgung. Gerade fr ParticleFlow und ThinkingParticles werden einige Operatoren geliefert, die bei bestimmten Ereignissen (zB. Rauch trifft auf ein bestimmtes Objekt) andere Ereignisse (zB. Verbrennungsvorgang startet) auslsen. Fr die Quellen lassen sich bestimmte Einstellungen vorgeben, die die Simulation mageblich beeinflussen. So knnen Quellen nur Rauch oder nur Brennstoff erzeugen, der Brennstoff und Rauch lsst sich texturgesteuert abgeben oder Verwirbelungen sind vordefinierbar. Feuer und Rauch reagieren natrlich, wie im wahren Leben, mit anderen Objekten in der Szene. Dazu muss man diese nur der Simulation hinzufgen.
Wenn es ums Aussehen der Flammen und des Rauches geht, hat man enorme Freiheiten. Ob einfache Farben oder benutzerdefinierte Farbverlufe, alles ist mglich. Die Farbverlufe lassen sich dabei sowohl nach Alter der einzelnen Simulationspartikel als auch nach Lage in der Simulation einfrben. Rauch reagiert auf Lichtquellen, lt sich mit Texturen belegen, um eine hhere Detailtiefe vorzutuschen, reagiert auf Dichtenderungen… Die Mglichkeiten sind endlos.
FumeFX unterteilt sein Simulationsgebiet in eine dreidimensionale Matrix, deren Dichte sich variieren lt. Was so gut klingt, ist gleichzeitig ein Fluch. In kleineren Auflsungen dieser Matrix ist der Speicherverbrauch gering und die Simulationszeit kurz, der Detailreichtum dagegen eher niedrig. Man muss die Simulation daher verfeinern, also erhht man die Auflsung. Und schon stt man an die Grenzen eines 32bit-Windows. FumeFX bentigt etwa 3x mehr Arbeitsspeicher fr die Simulation wie fr das Rendern derselben. Will man ultimative Qualitt, kann FumeFX zwar einige Tricks zur Reduzierung des verbrauchten Speichers anbieten und automatisch whrend der Simulation anwenden, richtig Freude hat man aber nur unter einem 64bit-Windows mit einem 64bit 3ds max und der 64bit-Version von FumeFX. Hier legt dann nur noch der eigene Rechner die Grenzen nach oben fest. Apropos Rechner: wer FumeFX nutzen will, sollte eine neue und groe Festplatte einplanen. Fr jedes simulierte Frame speichert FumeFX den aktuellen Stand. Mehrere Dutzend bis Hunderte Gigabyte Speicherbedarf sind da keine Ausnahme. Schn allerdings, da man Simulationsdaten eines 64bit-FumeFX ohne weiteres (soll heien, solang der Arbeitsspeicher ausreicht) in einem 32bit-FumeFX rendern und verarbeiten kann. Simulationen lassen sich auch ohne Probleme abbrechen und zu einem spteren Zeitpunkt fortsetzen. Ab Version 1.0a lassen sich Simulationen sogar per Backburner im Netz verteilen und berechnen. 2 Lizenzen fr die Netzwerksimulation sind in der Vollversion bereits enthalten, weitere knnen nachgekauft werden.
Nutzer von Cebas finalRender und ab Version 1.0a Chaosgroups VRay fr 3ds max knnen sich besonders glcklich schtzen. FumeFX kann bei Nutzung der finalRender- bzw. VRay-GI das Feuer gleichzeitig als Lichtquelle verwenden, die Lichtstrke lsst sich in FumeFX gesondert festlegen. Besonders schn auch, das Sitni Sati das Problem beim Rendern und Ineinanderblenden mehrerer athmosprischer Effekte unter 3ds max behebt und den Render-Effekt FusionWorks mitbringt. Der wird automatisch eingebunden und sorgt dafr, da der bergang von 3ds max – eigenen Effekten wie Nebel zu FumeFX butterweich verluft.
Fr einige sicher ebenfalls interessant: die sehr gute Anbindung an Maxscript. Nahezu jeder Parameter von FumeFX steht fr Maxscript zur Verfgung.
Als nettes Gimmick und mitunter ntzliches Feature bietet das Plugin letztendlich noch die Mglichkeit, alle
simulierten Daten im Viewport als Partikel, teilweise sogar mit Beschriftung sichtbar zu machen. Das umfasst nicht nur Feuer und Rauch, sondern auch Beschleunigungen oder Hitze (Partikel mit einer Zahlenangabe und Richtungsvektoren), sondern auch den Brennstoff. Besonders fr Simulationen mit ParticleFlow uerst hilfreich.
Es bleibt zu sagen: FumeFX ist High-End. Bessere und realistischere Feuer- und Raucheffekte bekommt man so schnell nicht wieder unter 3ds max geboten. Die Mglichkeiten des Einsatzes sind nahezu unbegrenzt. Wichtige Voraussetzungen fr die entsprechende Handhabung der Software sind allerdings potente Hardware, der Wille sich einzuarbeiten (und den ein oder anderen Begriff aus dem Manual im Lexikon nachzuschlagen) sowie genug Zeit. Wer also gern zndelt, Dinge in die Luft jagt und deshalb nicht gleich ein paar Jahre im Gefngnis verschwinden will, der hat hier das ultimative Tool gefunden. FumeFX ist fr 3ds max 7-9 (32bit und 64bit) verfgbar und kostet 795 US$.
Joerg Gerlach




