Der Blick ber den Tellerrand – ein oft bemhtes Klischee, ein ebenso oft vernachlssigter Erfolgsfaktor. Im Rahmen einer mehrteiligen Reportage nimmt euch 3d-worXX mit hinter die Kulissen von “spacemen”, einer Amateur-Kurzfilmserie im Science-Fiction Genre.
Wie dreht man so einen Film? Mit welchen Herausforderungen kmpft man bei solch einem Projekt? Und: Wird es ein glckliches Ende geben? Denn gerade im Hobby Bereich scheitert doch so maches Projekt lange vor der Fertigstellung.
Heute, im ersten Teil, stehen uns die Amateur-Regisseure und Produzenten selbst in einem Interview Rede und Antwort: Daniel Scherer, selbstndiger Designer und Enno Behrendt, Unternehmensjurist. Bisherige gemeinsame Erfolge: Ein kleiner Preis in einem kleinen Amateur-Filmwettbewerb, Lokalzeitungen, Lokalfernsehen, eine DVD im Fachhandel, Bootlegs in Amerika, Festivals in London und Hamburg.
3D-worXX: Hallo und herzlich willkommmen.
Enno: Hallo.
Daniel: Hallo.
3D-worXX: Erste Frage: Wer von euch ist jetzt eigentlich der Regisseur?
Enno: Beide. Und bevor du weiterfragst: Wir sind auch beide Produzenten. Und Drehbuchschreiber. Und Kameramnner.
Daniel: Und Locationscouts. Und Setbauer. Enno: Wenn mans genau nimmt, sind wir sogar die bsen Studiobosse.
3D-worXX: Und Schauspieler?
Daniel: Nee, diesmal nicht, hoffentlich.
Enno: Daniel kmpft immer noch mit den schrecklichen Erfahrungen aus unserem ersten Film, da stand er vor der Kamera und musste tun, was ich sage.
Daniel: Hehe.
3D-worXX: So schlimm?
Daniel: Das war schon eine wilde Reise, der erste Film. Das stellt man sich so locker-flockig vor, und dann steht man mitten in der Nacht in Eisesklte an irgendeiner dsteren Tunnel-Location rum und muss sich zum hundertsten Mal gegen eine Stahltr werfen. Und danach noch drei Stunden weiterdrehen, bevor man noch eine Stunde Ausrstung schleppen, zwei Stunden Autofahren und am nchsten Morgen wieder in die Arbeit gehen darf. Das eine oder andere Mal stellt man sich da schon die Sinn-Frage.
Enno: Ja, man braucht schon eine Menge Zuversicht. Und Zeit. Wir hatten zwischendurch 15, 20 Leute am Set, die alle irgendwie bei Laune gehalten werden mussten. Bei professionellen Produktionen ist das ein bichen einfacher, da bezahlt man die Leute. Bei uns sagen die Statisten dann teilweise um halb zwlf nachts: Du sorry, aber ich hab meiner Freundin versprochen, dass ich noch auf die Party komme.
3D-worXX: Und dann?
Enno: Tja, gute Frage. Manchmal kann man einfach nichts anderes machen, als zusammenzupacken und nach Hause zu fahren. Das ist in dem Augenblick dann natrlich sehr bitter, aber wenn man nicht in der Lage ist, sowas als eben nicht nderbar hinzunehmen, dann verliert man ziemlich schnell jede Motivation und Freude.
Daniel: Eben. Das wichtigste ist, dass du dich nicht zu tief in den Frust hineinmanvrierst. Da im richtigen Augenblick zu sagen: Ok, jetzt gibts ein Bier und dann schlafen wir mal drber, dass ist teilweise viel schwerer als es klingt
3D-worXX: Aber gerade bei einem Hobby-Projekt ist doch der Druck lange nicht so gro, wie bei professionellen Arbeiten?
Daniel: Ja und nein. Klar, man hat keinen solchen Termindruck, und der Lebensunterhalt der eigenen Familie hngt nicht davon ab. Aber im Job kann man die Arbeiten oft nchterner angehen. Will der Kunde das Ganze in lila, macht man das Ganze in lila. Bei Hobbyprojekten fehlt diese Distanz, weil man sich immer Sachen aussucht, an denen man selbst hngt. Und irgendwie geht man die Suche nach der richtigen Lsung fr ein Problem oder eine Einstellung deutlich verbissener an.
Enno: Man schreibt immer mit Herzblut.
Daniel: Genau.
Enno: Genau.
3D-worXX: Und Euer Herzblut, das steckt in Science-Fiction?
Enno: Im Augenblick ja. Ich bin schon als Kiddie Fan von SciFi-Bchern gewesen, und als ich so im richtigen Alter war, da gab es diese ganzen richtig guten, wahnsinnig dicht gemachten Filme: Alien, Terminator, Bladerunner, das schwarze Loch, the Abyss, Moon44.
3D-worxx: Star Wars?
Enno: Hm, die fand ich natrlich auch super, aber wenn ich ganz ehrlich bin, waren die fr mich nie so richtig Science-Fiction. Das waren geile Geschichten, aber es war irgendwie immer klar, dass das so im realen Leben niemals passieren wrde. Bei den anderen Filmen hab ich mir schon immer vorgestellt, dass das frher oder spter mal so sein wird. Klingt vielleicht komisch, ist aber so. Dass die Maschinen die Macht bernehmen und einen Killer zurck in die Vergangenheit schicken, hat mehr mit meiner Welt zu tun als eine riesige Weltraumschnecke, die in einem Asteroiden wohnt.
Daniel: Ist ja eigentlich Fantasy, mit Magie und dunklen Herrschern und so. Das hat auch was, aber ich denke, wir wurden da in unserer unschuldigen Jugend eben mehr von anderen Filmen geprgt. Wir beide haben uns ja nicht vllig zufllig beim Cyberpunk-Rollenspielen kennengelernt.
3D-worXX: Aha. Cyberpunk-Rollenspiel war es also.
Enno: Ja, genauer gesagt hie das Spiel Shadowrun, aber im Endeffekt war es Cyberpunk, also unsere Welt, aber ein paar Jahrzehnte sehr pessimistisch weitergedacht.
3D-worXX: Das war dann auch der Hintergrund fr Euren ersten Film?
Daniel: Exakt. Der Verlag, der dieses Rollenspiel herausgibt, schreibt jhrlich einen Wettbewerb aus, und da waren wir eben nicht zu halten.
Enno: Und haben selbstverstndlich gewonnen
3D-worXX: Selbstverstndlich
Und an diesen Film knpft ihr jetzt inhaltlich an?
Enno: Nein. Tor 3, das war v.a. von der Machart her eine ganz andere Sache. Das war schon eher fr Eingeweihte gefilmt, fr Cyberpunk-Fans, die sich mit dem Hintergrund auskennen und mal was richtig intensives sehen wollten. Wir sind bewusst sehr weit an die Grenzen von filmischer Gemtlichkeit gegangen, weil wir uns so stark wie mglich vom blichen FanFilm-Stil abheben wollten. Zum Beispiel verlsst die Kamera nie den Protagonisten, auch auf die Gefahr hin, dass man als Zuschauer eine Menge Sachen nur am Rande mitbekommt. Es gibt auch keine Filmmusik, und die ganze Schauspielerei ist bewusst trocken gehalten.
Daniel: Aber ich glaube, wir schweifen ab.
3D-worXX: Danke. Also, zurck zu Spacemen, was habt Ihr da vor?
Daniel: Kurz gesagt eine Serie von 10-Mintern ber zwei Typen, die sich mit ihrem Raumschiff im All als Cargoneers, also Spediteure durchs Leben schlagen.
3D-worXX: Klingt gut, und verdchtig nach Firefly, oder?
Enno: Soll es auch ruhig. Wir finden Firefly absolut groartig, und es ist echt ein Jammer, das die Serie abgesetzt wurde.
Daniel: Aber wir werden natrlich nicht versuchen, Firefly zu kopieren.
Enno: Wre ja auch Quatsch. Nein, Firefly hat auch eine Menge Sachen, die fr uns einfach nicht umsetzbar wren. So komisch es klingen mag, aber fr uns Amateurfilmer stellt ein echtes Pferd ja ein greres Problem dar als eine Raumstation in einem Doppelsternsystem. Auerdem ist Firefly vom Stil her ja eher an Western angelehnt, viele Szenen spielen auf Planeten, die Schauspieler rennen hauptschlich in Leder und Leinen rum.
3D-worXX: Und bei euch?
Daniel: Wir wrden eben gerne den Stil der 80er-Jahre Filme wieder ein bichen fortfhren. Raumschiffe, die aus l und Stahl und schweren Maschinen bestehen und Dampfstrahlen ausstoen, wenn sie irgendwo andocken. Stahlfabriken, Hafendocks, dicke T-Trger, Panzertren.
Enno: Eine industrialisierte Weltraumfahrt eben, wie in Alien, oder Moon44. Weniger die philosophischen Aspekte, mehr die ganz normalen Alltagssorgen, die ein Weltraumfahrer, der nur einer unter tausenden ist, in so einer Welt eben hat. Aber eben trotzdem im Weltraum ist, mit all den unglaublichen Dingen, die es da zu sehen gibt und die vielleicht so noch niemand gesehen hat. Daniel: Da finde ich die Zeilen von Rutger Hauer am Ende von Bladerunner sehr passend. Dieses I have seen things, that you will never see usw. Da steckt so viel Sehnsucht und auch Fernweh drinn. Ich fnds sehr geil wenn unsere Filmchen so ein bischen was von diesem Gefhl vermitteln knnen, dass man noch vor knapp 150 Jahren mit der Seefahrt verbunden hat.
3D-worXX: Hehe, geratet ihr gerade ein bichen ins Schwrmen?
Daniel: Klar. (grinst)
Enno: Sonst htten wir wohl auch ein Problem, uns neben Job und Familie noch mit sowas rumzuschlagen.
3D-worXX: Womit wir wieder beim Herzblut wren. Aber mal zu einem anderen Aspekt: Wie wollt ihr das technisch umsetzen?
Enno: Das wird spannend, keine Frage. Auf der anderen Seite: Mit der Computerpower, die wir Heute zur Verfgung haben, kann man schon gewaltige Sachen anstellen. Wir rendern heute Sachen auf dem Heim-PC, die durchaus an die CG Effekte von Blockbustern wie Terminator 2 heran reichen. Auch die Software ist wesentlich fortschrittlicher. Was es an Tools und Plug-Ins gibt, da lege ich regelmig die Ohren an, wenn Daniel und unsere anderen Grafikexperten da das Zaubern anfangen. Grafik ist nicht alles am Film, aber vor einer CG-Szene muss doch heute kein Amateurfilmer mehr Angst haben.
3D-worXX: Mit welchen Programmen arbeitet ihr denn?
Daniel: Im Bereich Modeling kommen Silo und Cinema 4D zum Einsatz. Fr die Texturierung Photoshop und Bodypaint. Die Animation entstehen dann in Cinema 4D. Fr das Compositing setzen wir AE und Combustion ein.
Wir bauen auerdem gerade ein Greenscreen-Studio auf, damit wir fr das Compositing vor allem so Sachen wie Beleuchtung und Kulisse genau steuern knnen. Da werden wir hoffentlich auch bald die ersten kompletten Szenen vorfhren knnen.
3D-worXX: Also wird es viel Greenscreen-Szenen geben?
Enno: Sicherlich. Alles andere ist vom Budget her fast nicht zu machen. Und sieht auch schnell komisch aus. Eine Szene aus unserer Welt richtig zu Science-Fiction zu machen, das ist schon verdammt schwer. Fr StarWars-Persiflagen kann man natrlich auch einen X-Wing auf dem Marktplatz landen lassen, aber fr berzeugende Science-Fiction braucht man schon dichtere Atmosphre, denken wir.
Daniel: Das wird auch die grte Herausforderung, denke ich. In das Drehbuch und die Schauspieler haben wir beide groes Vertrauen, wrde ich sagen. Aber inwiefern uns das gelingt, den Weltraum, die Stationen, die Schiffe und so weiter alles glaubhaft einzubauen, das ist noch ziemlich offen und wohl fr uns alle auch noch mit einem riesen Lernprozess verbunden
3D-worXX: Wir drfen also gespannt sein?
Daniel: Drft ihr. Wir sind es brigens auch.
Enno: Filmen heit ja immer, sich auch ein bisschen selbst zu verzaubern.
3D-worXX: Daniel, Enno, vielen Dank fr das Gesprch.
Das nchste mal werden wir uns anschauen, wie das Spacemen Team ein kleines Greenscreen Studio einrichtet und in den folgenden Berichten erfahren wir dann auch mehr zu den CG Effekten.
